Wasserstoff-Kernnetzbetreiber veröffentlichen Grundlagen zur Kapazitätsreservierung ab 2026
Meilenstein für den Wasserstoffhochlauf in Deutschland und Europa
16. Oktober 2025 – Die Betreiber des deutschen Wasserstoff-Kernnetzes haben die Grundlagen für die verbindliche Reservierung von Wasserstoffkapazitäten ab Anfang 2026 veröffentlicht. Mit dem Reservierungskonzept können Industrieunternehmen, Erzeuger, Händler und Speicherbetreiber erstmals langfristig planen und frühzeitig am wachsenden Wasserstoffmarkt teilhaben. Ein entscheidender Meilenstein für den Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland und Europa.
Verbindliche Kapazitätsreservierungen schaffen Planungssicherheit
Auf Grundlage des veröffentlichten Reservierungskonzepts können Marktteilnehmer ab Anfang 2026 Ein- und Ausspeisekapazitäten verbindlich reservieren. Dies ermöglicht eine höhere Absicherung für Wasserstoffprojekte, bevor diese später durch reguläre Kapazitätsbuchungen abgelöst werden.
Das deutsche Wasserstoff-Kernnetz umfasst insgesamt 9.040 Kilometer Leitungslänge und wird mit Investitionen von 18,9 Milliarden Euro bis 2032 realisiert. Dabei werden 56 Prozent bestehender Erdgasleitungen auf Wasserstoff umgestellt, während 44 Prozent als Neubau entstehen.
Entry-Exit-System ermöglicht flexible Handelsbeziehungen
Analog zum bewährten Erdgasbereich wird ein Entry-Exit-Modell eingeführt. Netznutzer können Wasserstoff an jedem Einspeisepunkt (Entry) einführen und an jedem Ausspeisepunkt (Exit) entnehmen, ohne punkt-zu-punkt-Verträge abschließen zu müssen. Dies schafft vielseitige Handelsbeziehungen und erleichtert den Marktzugang erheblich.
Cluster-Konzept: Stufenweiser Aufbau der Infrastruktur
Die Vermarktung erfolgt zunächst innerhalb sogenannter Cluster (mechanisch verbundener Netzabschnitte), die sich stufenweise zu einer flächendeckenden Infrastruktur zusammenschließen. Dieses Konzept ermöglicht einen dynamischen Hochlauf, der sich an der tatsächlichen Marktentwicklung orientiert.
Innerhalb dieser Cluster stellen frei zuordenbare Wasserstoffkapazitäten (FWK) eine besonders flexible Nutzung dar: Sie können ohne zusätzliche strömungsmechanische Prüfung innerhalb einer Zone genutzt werden. Der Transport zwischen verschiedenen Clustern wird möglich, sobald die physischen Verbindungen hergestellt sind.
Angebotszonen sorgen für bedarfsgerechten Transport
Innerhalb der Cluster werden Kapazitäten in Angebotszonen bereitgestellt, also in definierten Teilbereichen mit separater Kapazitätsausweisung für Entry- und Exit-Punkte. Dies ist notwendig, da viele zukünftige Einspeise- und Ausspeisepunkte noch nicht final bekannt sind. Die Zonenkapazitäten können im Verlauf des Markthochlaufs angepasst werden, um den tatsächlichen Bedarf abzubilden.
Regulatorische Grundlagen kurz vor der Finalisierung
Die regulatorischen Rahmenbedingungen werden durch zwei zentrale Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur geschaffen:
- WaKandA (Wasserstoff Kapazitäten Grundmodell und Abwicklung des Netzzugangs)
- WasABi (Wasserstoff Ausgleichs- und Bilanzierungsgrundmodell)
Die regulatorischen Grundlagen, insbesondere die Festlegungsverfahren der Bundesnetzagentur WaKandA und WasABi , befinden sich in der finalen Abstimmungsphase. Der ursprünglich für Sommer 2025 geplante Abschluss wurde verschoben; die endgültigen Festlegungen sollen nun rechtzeitig vor Beginn der Kapazitätsreservierungen 2026 veröffentlicht werden.
Musterverträge für Marktteilnehmer
Ein Mustervertrag für Kapazitätsreservierungen soll Marktteilnehmern zusätzliche Rechtssicherheit bieten. Bestehende Verträge zwischen Netznutzern und Netzbetreibern bleiben von den neuen Regelungen unberührt. Informationen über Kapazitäten nach 2030 werden sukzessive veröffentlicht.
Europäische Dimension: Grenzüberschreitender Wasserstofftransport
Das deutsche Kernnetz ist keine isolierte nationale Lösung, sondern Teil eines europäischen Wasserstoff-Backbones. Die deutschen Kernnetzbetreiber schließen sich dem Vorgehen europäischer Partner an, die ebenfalls entsprechende Netznutzerprozesse starten. Das Netz dient explizit dem Aufbau des grenzüberschreitenden Wasserstofftransports und ermöglicht Importe aus Nachbarländern.
Bereits heute existieren Pilotprojekte wie H2 Cross Border, bei dem Wasserstoff ins bestehende Erdgasnetz in Österreich beigemischt und in Deutschland wieder entnommen wird. Damit wird gezeigt, wie grenzüberschreitende Wasserstofflieferungen funktionieren können – allerdings handelt es sich noch nicht um eine reine Wasserstoffleitung.
Parallel wird eine Planungsphase für die erste rein leitungsgebundene internationale Wasserstoffverbindung geführt: Die dänische Pipeline Syvtal (Lower Seven), die von Esbjerg bis zur deutschen Grenze verlaufen soll. Ziel ist, dass grüner Wasserstoff ab 2030 durch diese Leitung fließt.
Systematischer Infrastrukturaufbau für die Energiewende
Mit dem Start der Kapazitätsreservierungen setzen die Wasserstoff-Kernnetzbetreiber ein starkes Signal: Deutschland baut seine Wasserstoffinfrastruktur systematisch aus und unterstützt strategische Investitionen in die Wasserstoffwirtschaft. Das Konzept ermöglicht Unternehmen aus energieintensiven Industrien wie Stahl, Chemie und Raffinerien erstmals, ihre Dekarbonisierungsprojekte langfristig zu planen und sich frühzeitig Kapazitäten zu sichern.
Die Kapazitätsreservierung ist ein entscheidender Baustein für die Transformation zu einer klimaneutralen Industrie und unterstreicht Deutschlands Ambition, eine führende Rolle im europäischen Wasserstoffmarkt einzunehmen.
Weiterführende Links:
Gasunie Deutschland – Originalmeldung
GASCADE – PDF „Kapazitätsreservierungen für den Wasserstofftransport im Kernnetz“
Bundesnetzagentur – Genehmigung des Wasserstoff-Kernnetzes (offizielle Mitteilung)
WaKandA und WasABi
RAG Austria AG – Projekt „H2 cross border“
Lower 7
