Erste Wasserstofftankstelle in Lübeck eröffnet: Schwerlastverkehr im Fokus
In Lübeck ist ein weiterer Baustein für klimafreundliche Mobilität Realität geworden: Die erste Wasserstofftankstelle der Hansestadt wurde gestern im Gewerbegebiet Roggenhorst offiziell eröffnet. Die Anlage ist speziell für schwere Nutzfahrzeuge und Lkw ausgelegt und stärkt die Infrastruktur für emissionsarme Logistik im Norddeutschen Raum.
Modern ausgelegt für den Schwerlastverkehr
Die Tankstelle wurde von der Energiegruppe MB Energy (vormals Mabanaft) errichtet und realisiert. Sie basiert auf einer Planung und Umsetzung durch Hypion, IB Hauck, MB Energy und SZ-Bau und entspricht sämtlichen Anforderungen der europäischen AFIR-Verordnung (Alternative Fuels Infrastructure Regulation).
Die Anlage verfügt über drei Zapfsäulen: zwei mit 350 bar und eine mit 700 bar und kann Wasserstoff für verschiedene Fahrzeugtypen betanken. Die maximale Bevorratung liegt bei unter drei Tonnen H₂, und die Tageskapazität beträgt bis zu 2.000 Kilogramm, was etwa 50 Lkw-Betankungen pro Tag entspricht.
Die Station ist als Betriebstankstelle mit 24/7-Öffnungszeiten konzipiert und ist auf den gewerblichen Verkehr ausgelegt. Sie besitzt keinen klassischen Verkaufsraum, sondern fungiert als reine Gasfüllanlage mit Traileranschlussstation, die eine flexible Versorgung ermöglicht.
Strategisch platzierte Infrastruktur
Der Standort im Gewerbegebiet Roggenhorst wurde bewusst gewählt: Er liegt in unmittelbarer Nähe zu den Autobahnen A1 und A20 und damit am transeuropäischen Verkehrsnetz (TEN-T/Scan-Med-Korridor), eine wichtige Achse für den Fernverkehr und die Güterlogistik. Die Lage stellt sicher, dass sowohl regionale als auch internationale Schwerlastverkehre gut angebunden sind.
Damit ergänzt Lübeck die oberzentralen Wasserstofftankstellen in Norddeutschland und trägt zur Umsetzung nationaler wie europäischer Vorgaben im Bereich alternativer Kraftstoffe bei. Die neue Station ist damit ein Schritt hin zu einem dichten Netz von H₂-Tankstellen, das den umweltfreundlichen Einsatz von Wasserstoff im Logistiksektor erleichtert.
Nutzfahrzeuge und regionale Nachfrage
Auf dem Gelände war bei der Eröffnung auch ein Fahrzeug eines lokalen Flottenbetreibers zu sehen: Ein Lkw wird von der Firma Hylane mit Wasserstoff betankt. Hylane ist einer der früh aktivierten Anbieter von wasserstoffbetriebenen Nutzfahrzeugen in Deutschland, die derzeit im Mietmodell emissionsfreie Schwerlastlogistik fördern.
Solche Kooperationen unterstreichen die wachsende Nachfrage nach klimafreundlichen Antrieben im Transportbereich, insbesondere für mittlere und große Lkw, die unter batterieelektrischen Lösungen oft an ihre Grenzen stoßen. Die neue Tankstelle bietet diesen Fahrzeugen eine praktische und strategisch sinnvolle Betankungsmöglichkeit entlang wichtiger Verkehrsachsen.
Technik und Zukunftsperspektive
Die Anlage erfüllt bereits heute die hohen Anforderungen der europäischen Infrastrukturstrategie für alternative Kraftstoffe. Sie kann bei Bedarf auch für Multi-Fuel-Anwendungen erweitert werden, was etwa kombinierte Betankungsangebote oder zusätzliche Druckstufen ermöglicht.
Mit der Inbetriebnahme setzt Lübeck nicht nur ein lokales, sondern ein regionales Signal für den Übergang in eine nachhaltige Mobilität, besonders für Logistik, Fernverkehr und gewerblichen Transport.
Hard Facts zur H₂-Tankstelle in Lübeck:
Standort: Gewerbegebiet Roggenhorst, Lübeck
Betreiber & Realisierung: MB Energy, Hypion, IB Hauck, SZ-Bau
Förderung: 5,1 Mio. € über Bundesmittel (KsNI-Richtlinie)
Zapfsäulen: 3 (2×350 bar, 1×700 bar)
Tageskapazität: bis zu 2.000 kg H₂ (~50 Lkw-Tankvorgänge)
Bevorratung: < 3 t Wasserstoff
Betriebszeiten: 24/7 (betrieblich organisiert)
Technik: Traileranschluss, keine lokale H₂-Produktion
Bedeutung für Schleswig-Holstein und Norddeutschland
Die neue Wasserstofftankstelle in Lübeck reiht sich in den Ausbau einer zunehmend leistungsfähigen H₂-Mobilitätsinfrastruktur ein und bildet einen wesentlichen Baustein für emissionsarme Transportlösungen im Schwerlastverkehr. Sie erleichtert den Umstieg auf wasserstoffbetriebene Lkw entlang zentraler Verkehrsachsen und trägt dadurch zur Erreichung nationaler und europäischer Klimaziele bei.



